Für viele Münchner Studierende und ihre Familien sind Studiengebühren eine erhebliche finanzielle Belastung. Nach den Zahlen des Studentenwerks ist nur für 68% der Studierenden im Erststudium ihre Studienfinanzierung sichergestellt. So treiben die Gebühren Studierende zu einem Blitzstudium, welches leicht mit fehlender wissenschaftlicher Reflexion einhergeht.
Durchschnittliche monatliche Einnahmen des Münchner Normalstudierenden liegen bei 913€. Davon gehen im Mittel 771€ für notwendige Ausgaben wie Miete, Ernährung, Kleidung, Lernmittel, Mobilität, Krankenversicherung, Telefon, Internet und Fernsehen drauf. Somit stehen noch 142€ für weitere Zwecke zur Verfügung, wovon monatlich 83€ für Studiengebühren zurückgelegt werden müssen. Für Freizeit, Kultur und Sport gibt der Durchschnittsstudierende entsprechend 69€ aus.
Diese Rechnung verschleiert jedoch die Finanzierungsprobleme zahlreicher Studierender: Nicht jeder hat die durchschnittlichen Einnahmen. Anstelle von 913€ müssen 10% der Studierenden mit weniger als 600€ über den Monat kommen. Mit diesem Budget ist ein ansprechendes Studentenzimmer oder Freizeit kaum bezahlbar. Viele Studierende müssen sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Im Extremfall können die hohen Anforderungen des Studiums gepaart mit den Belastungen mehrerer Jobs zu starkem Stress führen. Dies zeigt sich auch im Bedarf nach psychosozialen Beratungsangeboten an den Hochschulen, die seit der Einführung von Bachelor und Studiengebühren stärker in Anspruch genommen werden.
Ebenso aufschlussreich sind die Finanzierungsquellen eines Studiums: Durchschnittlich geben Eltern ihren Sprösslingen 552€ zum Studium – ein Betrag den sich nicht alle Familien leisten können. Als Ergänzung erhalten 21% der Studierenden ohne ausreichend finanzstarke Eltern BAFöG, was jedoch auf maximal 648€ beschränkt ist. Trotz ihrer finanziellen Bedürftigkeit sind diese Studierenden nicht von den Studiengebühren befreit.
Da weder die durchschnittliche elterliche Unterstützung, noch der BAFöG Höchsatz zur Studienfinanzierung ausreicht, arbeitet zusätzlich ein Großteil der Studierenden (73%) zur Finanzierung des Studiums. 26% der Studierenden müssen auf eigene Ersparnisse zurückgreifen und 24% erhalten Geld von weiteren Verwandten und Bekannten. Für viele Studierende ist das Studium aber eine Lebensphase, in der man sich vom Elternhaus abkoppelt und selbstständiger wird. Dies wird erschwert, wenn man ständig auf die finanzielle Unterstützung von Eltern und Verwandten angewiesen ist. Auch ist der Erfolgsdruck unter denjenigen Studierende besonders groß, deren Familien nur schwer die Kosten des Studiums tragen können.
Diese Zahlen zeigen die prekäre Lage zahlreicher Studierender und ihrer Familien. Eine Abschaffung der Studiengebühren wäre für sie eine deutliche Erleichterung.
Herkunft der Zahlen: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in München – Regionalauswertung der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks
Zahlen aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks
Höhe der durchschnittlichen Einnahmen des “Münchner Normalstudenten”:
| Eltern | 552€ (bei 93% der Studierenden, die unterstützt werden) |
| Eigener Verdienst | 301€ (73%) |
| Bafög | 398€ (21%) |
| Übrige Quellen (insbesondere eigene Ersparnisse und und andere Verwandte/Bekannte) | 191€ (49%) |
| Gesamt: | 913€ (10% mit unter 600€), 13% unter Bafög-Höchstsatz von 648€ |
Höhe der durchschnittlichen Ausgaben des “Münchner Normalstudenten”:
| Miete und Nebenkosten | 350€ (38% der Einnahmen) |
| Ernährung | 173€ |
| Kleidung | 59€ |
| Lernmittel | 38€ |
| Auto | 105€ (bei 30% der Studierenden) |
| Öffentliche Verkehrsmittel | 54€ (bei 92% der Studierenden) |
| Krankenversicherung und Arztkosten | 62€ (55% der Studierenden) |
| Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebüren | 36€ (89% der Studierenden) |
| Freizeit, Kultur, Sport | 69€ (93% der Studierenden) |
| Studiengebühren | 83€ (80% der Studierenden) |
| Gesamt (Verkehrsmittel und Krankenversicherung gehen nur anteilig in die Rechnung ein) | 923€ |
Quelle: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in München – Regionalauswertung der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks